Das „Internet of Things“ und der Paradigmenwechsel im Marketing

Mobile Marketing ist ein alter Hut, genau wie Video- und Social Media-Werbung. Das ist jedenfalls die Meinung vieler US-Marketing-Experten. Neue Smartphone Apps- und Cross-Channel-Kampagnen quittieren sie  zumeist bloß mit einem müden Achselzucken. Wofür sie hingegen schwärmen: Für das Internet of Things (IoT), zu Deutsch das „Internet der Dinge“ und dem damit verbundenen Paradigmenwechsel in Werbung und Marketing.

Der Begriff „Internet of Things“ geht auf Kevin Ashton zurück. Er umschrieb damit bereits vor 15 Jahren die nahtlose Vernetzung diverser physischer Gegenstände, die virtuell abgebildet, kontrolliert und gesteuert werden können. Seine Vision wird jetzt zunehmend Realität.

Längst sind nicht nur Computer, sondern zunehmend auch Haushaltgeräte, Thermostate, Fitnesszubehöre, Fahrzeuge,  Produktionsmaschinen und vieles mehr untereinander vernetzt. Die Gegenstände kommunizieren und interagieren, ohne Zutun des Users, um ihm bislang ungekannten Komfort zu bieten. Laut Cisco sind heute bereits mehr Gegenstände als Menschen mit dem Internet vernetzt. In den nächsten Jahren soll sich dieses Gefälle nochmals deutlich steigern.

Bald schon könnte sich unser Leben damit angenehmer und effizienter gestalten lassen. So würden sich, bei kalten Temperaturen wie wir sie dieser Tage in den USA immer noch erleben, unsere Fahrzeuge, unsere Kaffeemaschinen, unsere Toaster und unsere Heizungen daheim und im Büro zentral gesteuert gerade rechtzeitig einschalten.  Haustüren würden sich ohne Schlüssel öffnen, vergessene Lichter und Heizungen per Fernsteuerung ausschalten lassen. Tja und wenn uns Lebensmittel daheim ausgehen oder sich ihr Verfalldatum nähert, würde unser Kühlschrank entsprechende Signale aussenden und automatisch Nachschub bestellen.

Dass ein solches Szenario Konsequenzen auf alle Lebens- und Arbeitsbereiche haben wird, versteht sich von selbst. Auch und besonders das Marketing muss sich drastisch umstellen. Denn sobald sich all die vernetzten Gegenstände  im Alltag durchsetzen  und Verbrauchern nicht nur neue Gimmicks, sondern echten Mehrwert bieten, gewinnen Marketer neue Plattformen zum Versand personalisierter Botschaften.

Marketer könnten die neue Technologie beispielsweise nutzen, um einem Autofahrer die Route vorzugeben, die ihn  am schnellsten zum Ziel bringt und ihm auch zur nahegelegenen Tankstelle mit dem günstigsten Benzin schicken. Lebensmittelanbieter könnten sich mit Elektronikherstellern verbünden, damit der Kühlschrank künftig immer rechtzeitig Nachschub der beliebtesten Markenartikel besorgt. Kurz, die Applikationen sind grenzenlos.

Marketer sind aber auch maximal gefordert. Sie müssen  die nun allgegenwärtigen Plattformen sehr gezielt nutzen. Sie müssen relevante Einsichten in den Alltag ihrer Kunden sammeln, ohne der Gier nach Daten zu verfallen. Sie müssen begreifen, wie man die gesammelten Daten in wertvolle  Informationen umwandelt. Stichwort: „Von Big Data zu Smart Data“.  Und sie müssen kreative, innovative Werbeprogramme ersinnen, die dem neuen Umfeld gerecht werden.

Heute, so die einhellige Meinung der Insider, sind Marketer noch nicht so weit, Chancen, die das Internet of Things ihnen bietet, adäquat zu verwerten. Zu tief sitzt bei vielen noch die klassische Werbedenke. Im IoT-Umfeld kann Marketing aber nur erfolgreich sein, wenn es völlig nahtlos erfolgt und wirklich nützlich für den Verbraucher ist, sprich wenn es den individuellen Kunden und seine Wünsche kennt, ohne seine Privatsphären zu verletzen, und wenn es ihm Plattform-übergreifend relevante, hochwertige Inhalte bietet.  Womit wir wieder einmal, bei der Essenz des Content Marketings sind.

Noch ist das IoT Zukunftsmusik und Marketer haben etwas, wenn auch nicht viel, Zeit, sich darauf vorzubereiten. Ein vermehrter Fokus auf das Content Marketing dürfte ihnen dabei helfen.

Aus der Marketing-Metropole New York:
Yvette Schwerdt

Über y.schwerdt

Yvette Schwerdt ist Expertin für multinationales Marketing mit dem Schwerpunkt Deutschland/Amerika. Sie leitet Made-to-Market, New York. Die Agentur unterstützt Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum bei ihrem USA-Marktauftritt und amerikanische Firmen, die in Deutschland Geschäfte machen. In ihrer absatzwirtschaft-Kolumne, dem "Brief aus Amerika", bringt Yvette Schwerdt aktuelle Beispiele aus dem USA-Marketing.
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Kommentare zu Das „Internet of Things“ und der Paradigmenwechsel im Marketing

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  3. Marc

    Auf der Dreamforce 2013 hat Salesforce bereits eindrucksvoll gezeigt welche Möglichkeiten es bereits jetzt gibt. Mit seiner Salesforce 1 Plattform ist teilweise schon jetzt das möglich was Sie in ihrem Artikel beschreiben, auf den Kunden zugeschnittene individuelle Werbung auf dem Gerät seiner Wahl.

    Die Frage die man sich hier stellt, neben all den tollen Möglichkeiten für das Marketing, möchte der Kunde so viele Daten von sich weitergeben um individuelle Werbung zu bekommen ?

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