Facebook und LinkedIn haben es schon länger. Jetzt zieht auch Twitter nach. Der Kurznachrichtenservice hat Mittwoch eine neues Anzeigen-API vorgestellt. Damit soll die Implementierung und Verwaltung von Twitter-Kampagnen qualifiziert und ihre Relevanz und Messbarkeit erheblich gesteigert werden. Brands, die das neue API nutzen wollen, müssen allerdings mit einem von fünf Twitter-Partnern, sprich Adobe, HootSuite, Salesforce, Shift und TBG Digital, zusammenarbeiten. Sie alle haben das System bereits getestet und vermelden beeindruckende Ergebnisse. Setzen sich diese Ergebnisse fort, so darf man wohl mit einer Flut neuer Anzeigen auf Twitter rechnen. Der Microblogging- Service wird sich dann über massive Einnahmenzuwächse freuen. Wie aber wird sich die Entwicklung auf den User auswirken?
Vor allem größere, globale Werbetreibende werden profitieren. Denn, Vieles, was sie bisher manuell erledigen mußten, etwa die sprachliche Übersetzung der Kurzbotschaften für diverse Märkte, oder ihre zielgruppenspezifische Aufbereitung, kann jetzt automatisch erledigt werden. Erste empirische Resultate sind vielversprechend. Adobe, einer der fünf Twitter-API-Partner, hat das System seit einigen Monaten mit ein paar Werbetreibenden getestet und Statistiken veröffentlicht. Im Schnitt sollen Kunden einen 63%-Anstieg ihrer Twitter-Follower registriert und die Akquisekosten für jeden neuen Follower um 60% auf rund 2 Dollar reduziert haben.
Dass solche Zahlen zu einer Werbeflut auf Twittter führen könnten, ist klar. Kein Wunder also, dass eMarketer dem Social Media-Service in 2013 einen Umsatzuwachs von 90% voraussagt. Beobachter bangen nun, dass die User-Erfahrung leiden könnte. Die perfekte Balance zwischen Monetisierung und Nutzerfahrung zu finden, sei für jedes Medienunternehmen eine anspruchsvolle Aufgabe, schreibt denn auch Tod Wasserman. Twitter, so der Mashable-Author weiter, wäre aber besonders gefordert, denn schließlich verfüge das System, im Unterschied zu Facebook, nicht über eine eigene Kolumne für Anzeigen. Vielmehr würden die Inserate auf dem Hauptdisplay, sprich dem Twitter-Pendants des News Feed geschaltet werden. Und wenn hier Werbungen überhand nehmen, werden sich User wohl über kurz oder lang verärgert abwenden.
Twitter selbst ist sich dieser Gefahr bewußt. Deshalb hat das Unternehmen sich derzeit auch auf fünf Partner beschränkt. Und deshalb schreibt Adam Bain, der Twitter-Verantwortliche für den Bereich Global Revenue auch: Twitter und ich haben eine gemeinsame Vision, dass Social Ads nur funktionieren, wenn eine Marke ihren Kunden Content liefert, den sie wirklich sehen wollen, und der sie engagiert.” Das neue Twitter Anzeigen-API sei so konzipiert, dass es Werbetreibende dafür belohne gut, und nicht laut zu sein, beteuert auch seine Kollegin April Underwood in einer Blogpost. Wenn Anzeigen auf Twitter also künftig engagieren, und maximale Relevanz bieten müssen, um prominent platziert zu werden, so dürfte dem User und seiner Erfahrung aus dem neuen API zumindest kein Schaden, vielleicht aber auch echter Nutzen, entstehen.
Aus der Marketing-Metropole New York:
Yvette Schwerdt
Yvette Schwerdt ist Expertin für internationales Marketing mit Schwerpunkt Deutschland-USA. Sie leitet MADE-to-MARKET New York, eine Agentur, die Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum bei ihrem erfolgreichen USA-Marktauftritt und amerikanische Firmen bei ihrem Deutschland-Geschäft unterstützt.
Als Amerika-Korrespondentin der absatzwirtschaft berichtet Yvette für uns über Aktuelles im Deutschland-Amerika Business. Die MBA-Absolventin mit Erfahrung im offline, online und Social Media Marketing ist zudem auch regelmäßige Sprecherin bei internationalen Fachkonferenzen.