Gestern las ich in The Guardian einen vermeintlich schockierenden Artikel. Demnach hat Raytheon, ein nationales Sicherheitsunternehmen aus Massachusetts, im Geheimen eine Software entwickelt, mit der man Daten aus sozialen Netzwerken, wie Facebook, Twitter und Foursquare nutzen kann, um das aktuelle Verhalten von Menschen im Detail zu verfolgen und ihre künftigen Handlungen vorauszusagen. Laut eigenen Aussagen, hat Raytheon die Software mit dem ominösen Namen Riot (Rapid Information Overlay Technology) noch niemandem verkauft. Allerdings, so wird eingeräumt, hätte das Unternehmen die Technologie in 2010 in einem gemeinsamen F&E-Projekt mit der amerikanische Regierung und Industrie genutzt, um ein detailliertes nationales Analysesystem zu entwickeln. Wie Riot funktioniert, sehen Sie beispielhaft im nachstehenden Video.
http://www.youtube.com/watch?v=O1dgoQJAt6Y
Die britischen Tageszeitung scheint, die Software und ihre Funktionalität äußerst beunruhigend zu finden. Jedenfalls schreibt sie, die Technologie würde demonstrieren, wie die selben Systeme, die einst dem arabischen Frühling zum Erfolg verhalfen, sprich Facebook, Twitter und Co., nun als ‚Google für Spione‘ fungierten und zur Beobachtung und Kontrolle von Bürgern eingesetzt würden. All das, so The Guardian weiter, würde erhebliche Datenschutz- und Bürgerrechts-Bedenken hervorrufen.
Tatsächlich lässt sich mit Hilfe von Riot in vielen Fällen schon nach wenigen Mausklicks erkennen, welche Plätze ein Mensch frequentiert, und welche Kontakte er pflegt. So kann man beispielsweise an einem Foto, das User auf Social Media posten, auch oft Details zu Länge- und Breitegraden ausmachen. Riot nutzt diese Information, um nicht nur auszumachen, wie ein User aussieht, sondern auch, wo er sich aufhält. Riot kann zudem auch mit Hilfe von Twitter und Facebook seine Kontakte nachverfolgen und über Foursquare seine häufigsten Aufenthaltsorte ermitteln.
Mir scheint die im Video geschilderte Technologie nicht so anrüchig, wie sie die britische Tageszeitung darstellt. Schließlich wird kein Facebook oder Twitter-User gezwungen, seinen Aufenthaltsort zu enthüllen. Und niemand muss via Foursquare in diversen Plätzen einchecken. Tatsache ist doch, dass Menschen gerne und freiwillig Informationen über sich selbst preisgeben. Sascha Lobo spricht in diesem Zusammenhang, wie hier berichtet, über die vorherrschende Datenbegeisterung. Gut, viele Social Media Nutzer stehen unter der Annahme, nur Freunde könnten ihre Informationen einsehen. Ich denke trotzdem, dass gerade jüngere Leute mehrheitlich einen recht unbekümmert Zugang zum Thema Datenschutz entwickelt haben. Zudem zweifle ich auch daran, dass Menschen, die tatsächlich etwas verbergen wollen, die genannte Funktionalität der sozialen Netzwerke ahnungslos nutzen.
Oder wie sehen Sie das?
Aus der Marketing-Metropole New York:
Yvette Schwerdt
Yvette Schwerdt ist Expertin für internationales Marketing mit Schwerpunkt Deutschland-USA. Sie leitet MADE-to-MARKET New York, eine Agentur, die Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum bei ihrem erfolgreichen USA-Marktauftritt und amerikanische Firmen bei ihrem Deutschland-Geschäft unterstützt.
Als Amerika-Korrespondentin der absatzwirtschaft berichtet Yvette für uns über Aktuelles im Deutschland-Amerika Business. Die MBA-Absolventin mit Erfahrung im offline, online und Social Media Marketing ist zudem auch regelmäßige Sprecherin bei internationalen Fachkonferenzen.
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