Multi-Channel vs. Cross-Channel oder wie Mann einen Heiratsantrag macht

Die Begriffe Multi-Channel und Cross-Channel Marketing werden oft als austauschbar erachtet. In Wirklichkeit sind sie aber grundverschieden. Am einfachsten läßt sich der Unterschied mit einem Beispiel erklären. Stellen Sie sich vor, zwei Männer, beide Marketingprofis, wollen ihrer Freundin einen Heiratsantrag machen.

Der Eine mietet Anzeigenseiten, Plakatflächen und TV-Sendezeiten und hält allerorts kunstvoll und wortgewandt um Die Hand seiner Freundin an. Sie reagiert zunächst geschmeichelt, dann aber zunehmend genervt, weil die gleiche Botschaft von überall auf sie eindröhnt, auch nachdem sie schon längst geantwortet hat.

Der zweite Mann weiss, dass seine Freundin Überraschungen liebt und ersinnt eine Art Geländespiel. Zunächst schickt er ihr einen Brief mit einem Schlûssel zu einem Postfach. Dort findet sie eine Audioaufnahme, die sie zu einem Treffen im Central Park einlädt. Sobald sie dort eintrifft, spiel ein Geigenquartett auf. Ein Kellner tritt aus dem Schatten und führt die junge Dame an einen gedeckten Tisch, an dem der hoffnungsvolle Verehrer wartet. Erst jetzt, nachdem sie gänzlich überwältigt ist, stellt er die entscheidende Frage und darf sich über eine positive Antwort freuen.

Der erste Mann ist das Vorbild für Multichannel Marketeer, der zweite für ihre Cross-Channel Pendants. Raten Sie mal, wer die besseren Erfolschancen hat.

Ein ausgezeichnetes Beispiel von Cross Channel Marketing lieferte kürzlich Leapfrog. Der Hersteller schickte seinen LeapPad samt Spielen und Kupons zum Verteilen an 200 Mommy-Bloggerinnen mit der Bitte, in ihrem Freundeskreis kleine Partys zu veranstalten und das Gerät auszuprobieren. Die Partys waren ein voller Erfolg. Gäste nahmen den Kupon und stürmten zum naheliegenden Läden. Ihre Mundpropaganda tat ein Übriges. Die Bloggerinnen kreierten online Buzz, der schließlich von der offiziellen PR-Abteilung gezielt aufgegriffen und verbreitet wurde. Ergebnis: Keine Standard Werbeblahblahs. Keine lästigen Wiederholung. Dafür aber jede Menge gezielte Verkaufserfolge.

Und wie sieht es in Ihrem Unternehmenaus? Praktizieren Sie Multi-Channel oder Cross-Channel Marketing?

Aus der Marketing-Metropole New York
Yvette Schwerdt

Über y.schwerdt

Yvette Schwerdt ist Expertin für multinationales Marketing mit dem Schwerpunkt Deutschland/Amerika. Sie leitet Made-to-Market, New York. Die Agentur unterstützt Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum bei ihrem USA-Marktauftritt und amerikanische Firmen, die in Deutschland Geschäfte machen. In ihrer absatzwirtschaft-Kolumne, dem "Brief aus Amerika", bringt Yvette Schwerdt aktuelle Beispiele aus dem USA-Marketing.
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Kommentare zu Multi-Channel vs. Cross-Channel oder wie Mann einen Heiratsantrag macht

  1. Dieser Artikel ist einfach spitze! Du hast die Vorteile der Cross-Channel-Geschichten mit einer stilvollen Heiratsanleitung für alle werdenden Ehemänner verknüpft….das ist genial – und jetzt wird wohl auch dem letzten Marketer verständlich, warum es sich lohnt, gezielt zu crossen und nicht blind drauf los zu peitschen! Danke!!!

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