Macht uns Twitter aggressiv ?

Dass Unternehmen negative Social Media-Reaktionen und ihre rufschädigende Wirkung fürchten, ist allseits bekannt. Dass aber auch Einzelpersonen davor zittern müssen, hat sich erst kürzlich klar herausgestellt. Und das kam so. Tom Anderson, einer der Gründer von MySpace meldete sich Mittwoch zur Diskussion über die neuen Instagram-Nutzungsbedingungen zu Wort. Er kanzelte die vorherrschenden Befürchtungen kurzerhand als „lächerlich“ aber und klang dabei nicht wenig arrogant.

Einem Follower gefielen Tweet und/oder Ton nicht. Jedenfalls schoss er zurück: „Sagt der Mensch, der nicht imstande war, ein soziales Netzwerk am Leben zu erhalten.“
Worauf Anderson konterte: „Sagt der Mensch, der MySpace in 2005 für 580 Millionen Dollar verkauft hat, während Du Dich abschuftest und auf einen halben Tag Urlaub hoffst.“

Tom Anderson brüstete sich bald als Gewinner des Twitter-Diputs, weil der Kontrahent seinen Account, ob des Debakels, mittlerweile offenbar gelöscht hat.

Den Zwist fand ich geschmacklos. Was folgte, schien mir noch geschmackloser. Der Twitter-Zank wurde nämlich zum viralen Hit mit bislang knapp 8.500 Retweets.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die beiden Protagonisten sich von Angesicht zu Angesicht ähnlich beschimpft hätten. Und ich glaube auch nicht, dass 8.500 Menschen dem peinlichen Vorfall klatschend beiwohnen würden.

Liegt die Reaktion also an den Social Media Plattformen? Machen uns Facebook, Twitter und Co. enthemmter, aggressiver, schadenfreudiger? Wie sehen Sie das?

Foto: Daily Dot.

Aus der Marketing-Metropole New York:
Yvette Schwerdt

Über y.schwerdt

Yvette Schwerdt ist Expertin für multinationales Marketing mit dem Schwerpunkt Deutschland/Amerika. Sie leitet Made-to-Market, New York. Die Agentur unterstützt Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum bei ihrem USA-Marktauftritt und amerikanische Firmen, die in Deutschland Geschäfte machen. In ihrer absatzwirtschaft-Kolumne, dem "Brief aus Amerika", bringt Yvette Schwerdt aktuelle Beispiele aus dem USA-Marketing.
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Kommentare zu Macht uns Twitter aggressiv ?

  1. Dieses Problem existiert mindestens solange, seit es die ersten Chats gibt und Menschen sich zumindest teilweise unter dem Deckmantel der Anonymität des Internets dreimal so groß und stark fühlen als im Alltag auf der Straße. Die vielen zusätzlichen Kommunikationswege, die uns im persönlichen Face-to-Face zur Verfügung stehen, um Botschaften zu vermitteln, fehlen im Internet größtenteils. Unser Gesprächspartner sieht weder unsere Mimik, unsere Gestik, unserer Körperhaltung usw. – er sieht nur, was wir schreiben und interpretiert es so, wie er es eben versteht – ob das auch der Kernbotschaft des Senders entspricht, sei mal dahingestellt.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Nein, ich denke, in einem persönlichen Gespräch hätten sie sich vielleicht nicht (in aller Öffentlichkeit) dermaßen verbal gemessen – höchstwahrscheinlich wären sie dann nicht einmal in direkten Kontakt gekommen und hätten ihre jeweiligen Kommentare eher verärgert vor sich hingebrummt, als sie direkt an den Kontrahenten zu richten. Und ja, das Problem liegt an der begrenzten Kommunikationsmöglichkeit über das Internet. Aber nein, die sozialen Netzwerke sind nicht schuld dran – die Menschen sind es ;)

  2. Wer glaubt hinter einer Maske sich alles erlauben zu dürfen die ziehen sowieso den kürzeren. Es gibt Leute die meinen in einem Nachrichtendienst bei jemanden über Jemanden schimpfen zu können und dabei ist es oft ein und der selbe Ansprechpartner bzw. ein Familienmitglied oder bester Freund. Copy-Paste ec. an sowas denken manche nicht.
    Was soll ich sagen, Menschen sind verschieden aber die meisten Leute wissen sich zu benehmen.

  3. Christian Thunig

    Ein schöner Eintrag. Meine feste Überzeugung ist, dass wir im Internet irgendwann auch Regeln des Umgangs haben werden (müssen), wie wir es im täglichen persönlichen Kontakt mit Menschen heute auch haben. Nur dann hat das Internet auch wahrhaft eine Chance erwachsen zu werden. Es ist auch zum Schutz der Menschheit, denn der Ton, der im Web herrscht, ist bisweilen wirklich menschenunwürdig. Anständiger und respektvoller Umgang ist kein Selbstzweck, sondern notwendige Voraussetzung für ein gedeihliches Miteinander.

  4. Madlen Koslowski

    Hinter der Maske einer vermeintlichen Anonymität, die die virtuelle Welt (Und damit meine ich nicht nur Twitter und Co.) vermittelt, fällt es einfacher, Gedanken laut zu denken. Denn eine direkte Konfrontation vis-à-vis ist nicht möglich. Direkte Konsequenzen sind nicht zu befürchten, eine respektvolle und schlüssige Argumentation ist nicht nötig, um in dieser Situation zu bestehen. Es ist einfacher sich dieser zu entziehen, in dem die Plattform einfach mittendrin verlassen wird. Das Gegenüber besteht ja nur aus einem Namen, vielleicht noch einem Profilbild, nichts Greifbarem. In einer realen Diskussion würde dies nicht so einfach funktionieren.
    Dieses “Phänomen” der ungehemmten, respektlosen, z. T. beleidigenden etc. “Kommunikation” (oder eher verbalen Entgleisungen) im Internet ist immer öfter zu beobachten, nicht nur in sozialen Netzwerken. Man schaue sich nur Kommentare zu online veröffentlichten Artikeln an.
    Letztendlich zeigen diese verbalen Rundumschläger jedoch nur, dass sie in der Realität solchen Situationen, Konfrontationen nicht gewachsen sind. Diejenigen, die auf diese Art und Weise am lautesten brüllen, sind eigentlich diejenigen, die real als erstes die Stillsten werden und nur hinter vorgehaltener Hand brummen. Vielleicht sollte ihnen diese Spielwiese gelassen werden, der Schlauere wird diesem Schauspiel sowieso nur von außen zusehen und mit einem müden Lächeln den Kopf schütteln. Schwarze Schafe wird es immer geben …
    Jedoch glaube ich, dass sich langsam aber sicher auch im Internet eine gewisse Etikette durchsetzen wird. Der Weg dahin wird ein längerer, aber nicht unbestreitbarer. Bis dahin kann diesen Menschen nur der Nährboden entzogen werden, indem Kommentare dieser Art gelöscht werden, sich Diskussionspartner bei Ausschweifungen und Beleidigungen mit dem Hinweis darauf aus der Diskussion ziehen, Moderatoren zur Tat schreiten und die Nutzer in ihre Schranken verweisen.
    (Dazu sei kurz “Die Zeit” genannt, die dies in ihrer Kommentarfunktion recht gut vorlebt. Unangebrachte Kommentare werden gelöscht, jedoch immer mit dem Verweis, warum dies getan wurde.)

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