Social Media-Skandal der Woche: Sandy Sale von American Apparel

Gutes Timing und ein aktueller Zusammenhang sind wichtige Erfolgsfaktoren im Marketing. Das wissen clevere Werbetreibende, wie American Apparel, natürlich auch. Deshalb hat der forsche Bekleidungshersteller eine eigene Marketinginitiative für das große Ereignis der Woche ersonnen. Das Problem: Der Sturm in seiner ganzen Tragik ist ein stark-umstrittener Marketingkontext. Und die Aktion, die gedacht war, Kunden in neun betroffenen Bundesstaaten zu engagieren, entwickelten sich in weiten Teilen zum Bumerang.

American Apparel sandte Montag Abend, kurz bevor der Sturm am gewaltigsten wütete, obenstehende Email aus. “Wenn Ihnen langweilig wird, während des Sturmes”, steht da in großen Lettern zu lesen. Dann folgt ein Preisnachlassangebot von 20%, das für die nächsten 36 Stunden geltend gemacht werden kann. Alles, was “gelangweilte Sturmopfer” tun müssen, ist das Wort SANDYSALE beim Checkout eingeben.

Die Reaktion auf diese Aktion war ebenso rasant, wie rabiat und spielte sich vornehmlich auf Twitter ab. Wie man denn bei einer solchen Tragödie von “gelangweilt” sprechen könnte, wollten aufgebrachte User wissen. Und, dass es ekelhaft wäre von einer solchen Katastrophe Profit machen zu wollen.

Dov Charney, seines Zeichens CEO von American Apparel und bekanntes Enfant Terrible, zeigte sich indes ungerührt. “Ich glaube nicht, dass unser Marketingteam einen Fehler gemacht hat. Was man in solchen Situationen tun will, ist doch den Handel am Laufen halten”, äußerte er sich gegenüber Business Week. Menschen hätten eingekauft, und das Unternehmen habe wahrscheinlich mehrere Zehntausend Dollar an dem Sale verdient. Allerdings habe American Apparel durch den Sturm auch zumindest eine Million Dollar verloren. Sein Unternehmen würde nun mal Kleider verkaufen. Er sähe also kein Problem und finde die ganze Angelegenheit nicht weiter der Rede wert.”

Eine Mitarbeiterin von Charnov drückte sich milder aus. Wenn das Unternehmen auch einen Fehler gemacht hätte, so sei alles in der guten Absicht geschehen, das Unternehmen am Laufen zu halten – zum Wohl der Mitarbeiter und der Aktionäre.

Manchen Beobachter geben American Apparel Recht. Ich meine, der Fehler ist taktisch und taktlos und man kann ihn nicht wegdiskutieren.

Was denken Sie? Zeigt sich American Apparel mit dieser Aktion praktisch oder profitsüchtig?

Aus der Marketing-Metropole New York:
Yvette Schwerdt 

Über y.schwerdt

Yvette Schwerdt ist Expertin für multinationales Marketing mit dem Schwerpunkt Deutschland/Amerika. Sie leitet Made-to-Market, New York. Die Agentur unterstützt Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum bei ihrem USA-Marktauftritt und amerikanische Firmen, die in Deutschland Geschäfte machen. In ihrer absatzwirtschaft-Kolumne, dem "Brief aus Amerika", bringt Yvette Schwerdt aktuelle Beispiele aus dem USA-Marketing.
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Kommentare zu Social Media-Skandal der Woche: Sandy Sale von American Apparel

  1. Mutig war es allemal. Anscheinend war es auch halbwegs erfolgreich – wenn ich von dem Protest mal absehe. Dennoch möchte ich mich dem Protest ungeteilt anschließen. Sowas geht gar nicht!

    Um dem ganzen die Krone aufzusetzen, wäre es interessant, zu wissen, wo American Apparel seinen Sitz hat? Ist es ein reiner Online-Händler? Hat es überhaupt Niederlassungen in der Gefahrenzone? Darüber habe ich persönlich leider keine Kenntnis. Wenn sie als Unternehmen selbst betroffen gewesen sind, ist es natürlich auch ein ziemlicher Gag mit sehr viel Selbstironie – eine eigensinnige Art, mit der eigenen Angst vor der Katastrophe umzugehen. Wenn sie als Unternehmen aber völlig “außenvor” waren, ist es in keinster Weise hinnehmbar.

  2. Mit den reinen Augen des Marketenders sicher eine gelungene Aktion. Aber als mitteleuropäischer Mensch muss ich ein wenig an die Maxime “The show must go on” denken – was stört es, wenn ein Hurrikan tobt und wir trotzdem Geld verdienen gönnen?

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