Warum Unternehmen jetzt klar-definierte Social Media Richtlinien brauchen

Im Grunde klangen sie nicht unlogisch, die Social Media-Richtlinien von Costco. Trotzdem wurden sie jetzt für rechtswidrig erklärt. Der Megadiscounter hatte in etwa Folgedes verordnet: Elektronische Mitarbeiterposts, die dem Unternehmen schaden, eine Person diffamieren, oder den Bestimmungen ihres Anstellungsvertrag zuwiderlaufen, können mit Disziplinierungsmaßnahmen bis hin zur Kündigung des Arbeitsverhältnisses geahndet werden. Eine solche Verordnung, so der National Labor Relations Board (NLRB), sei viel zu pauschal, weil sie Basisrechte der Mitarbeiter, etwa auf freie Meinungsäußerung und auf Kooperation im Streikfall, beeinträchtigen würde. Für Costco ist das Urteil ein Jammer, weil der Konzern nach dem zweijährigen, kostenintensivem Gerichtsverfahren, jetzt nicht nur seine Social Media-Richtlinien, sondern auch weitere Bestimmungen in seinem Mitarbeiterhandbuch ändern muß. Was aber bedeutet das Urteil für andere Unternehmen?

Mit dieser Frage beschäftigt sich heute die amerikanische Social Media-Szene. Denn eines steht fest: Das Costco-Urteil ist richtungsweisend. Schließlich hat der NLRB es wenige Tage später bereits als Präzedenzfall genutzt und nun auch dem Technologieführer EchoStar eine Abänderung seiner Social Media Policy verordnet. Wer Ärger und Kosten sparen will, der macht sich also jetzt Gedanken zur genauen Formulierung seines Social Media-Leitfadens.

Experten sind sich einig, dass Großunternehmen einen Leitfaden unbedingt benötigen. Andernfalls können sie nämlich rasch Opfer von Gerichtsklagen und –verurteilungen werden, wenn sie Mitarbeiter ohne vorherige Warnung entlassen. Wichtig ist allerdings, dass dieser Leitfaden klar und präzise definiert ist. Generell gehaltene Verordnungen, etwa die Vermeidung der Rufschädigung, sind nicht zulässig.

Schließlich gilt es auch die positive Wirkung zu bedenken, die Mitarbeiteräußerungen im Web 2.0 zeitigen können. Ein Paradebeispiel, nämlich die ebenso spontane wie geschickte Twitter-Nutzung von AMC gegen Oreo, habe ich übrigens neulich an dieser Stelle beschrieben. Wer im Zweifelsfall mit umgehender Entlassung droht, der hemmt die Social Media Nutzung seiner Belegschaft. Damit dämmt er vielleicht den einen oder anderen Schaden ein, vergibt sich aber auch große Chancen.

Aus der Marketing-Metropole New York:
Yvette Schwerdt

Über y.schwerdt

Yvette Schwerdt ist Expertin für multinationales Marketing mit dem Schwerpunkt Deutschland/Amerika. Sie leitet Made-to-Market, New York. Die Agentur unterstützt Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum bei ihrem USA-Marktauftritt und amerikanische Firmen, die in Deutschland Geschäfte machen. In ihrer absatzwirtschaft-Kolumne, dem "Brief aus Amerika", bringt Yvette Schwerdt aktuelle Beispiele aus dem USA-Marketing.
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Kommentare zu Warum Unternehmen jetzt klar-definierte Social Media Richtlinien brauchen

  1. liebe yvette schwerdt, schön, wieder aktuelles von ihnen zu lesen…kurze frage zum thema social media richtlinien? inwieweit ist das für D. bzw. Europa relevant bzw. (gesetzlich) erforderlich? – freue mich auf ihre antwort, VG aus dem regnerisch-kalten hamburg, ulrich görg

    • y.schwerdt

      Hallo Ulrich, danke für das Feedback.

      Das genannte Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, KONKRETE Social Media-Richtlinien zu erstellen. Ob man Social Media-Richtlinien überhaupt benötigt? Auf jeden Fall, obschon sie vom Gesetzgeber, zumindest in den USA, noch nicht zwingend erforderlich gemacht worden sind. Sehen Sie, immer mehr Unternehmen ermutigen die Social Media-Nutzung ihrer Belegschaft, weil sie begreifen, dass Mitarbeiter ihre besten, wichtigsten Markenbotschafter sein können. Gleichzeitig ist es aber auch kein Geheimnis, dass gerade die eigenen Angestellten den größten Schaden anrichten können, weil sie mit dem Unternehmen und dem Brand assoziiert werden. Bei intern-generierten Social Media GAUs muss gar kein schlechter Wille vorhanden sein. Nachlässigkeit und Ahnungslosigkeit reichen. Es liegt also im Interesse der Unternehmen sicherzustellen, dass alle Mitarbeiter klare Richtlinien für ihre Social Media-Nutzung bekommen. In diesem Regelwert, lässt sich unter anderem darstellen, welchen Stellenwert Social Media für das Business hat, welche Inhalte weitergegeben und welche vertraulich behandelt werden müssen, welcher Tenor angebracht ist, und wie wichtig Mitarbeiter-Loyalität, auch außerhalb der Arbeitszeit, ist.
      Also: Wer die Macht des Web 2.0 nutzen und gleichzeitig sein Unternehmen schützen will, der wird einen klaren, verständlichen Social Media-Leitfaden erstellen und verfügbar machen.
      Ich hoffe, das hilft ein wenig weiter.

      Viele Grüße aus New York
      Yvette

  2. Pingback: Teil 7 – Social Media Guidelines als Bestandteil des strategischen Managements | webpixelkonsum

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