“Not Cool, Cookie”: Social Media-Schlagabtausch der Megamarken

Seit mehr als 100 Jahren erfreut Oreo die Herzen amerikanischer Verbraucher. Letztens hat sich die Marke auch als Social Media Marketing-Star etabliert. Ihre Daily Twist-Kampagne sorgt für Dauerbuzz und hat ihr 28 Millionen begeisterter Facebook-Fans beschert. Jetzt hat Oreo in Sachen Social Media aber offenbar seinen Meister gefunden. Wen? Die Filmtheaterkette AMC. Lassen Sie sich die Story erzählen. Sie beginnt mit folgendem Tweet:

In einem fröhlich-frechen Tweet fragt die Nabisco-Marke ihre Follower, ob sie schon mal Orios ins Kino mitgebacht haben. An sich ist an dem Tweet wenig auszusetzen. Die meisten Menschen stöhnen über die hohen Snackpreise in den Filmtheatern und stecken deshalb daheim die eine oder andere Süßigkeit ein, um sie später, im Kino, zu konsumieren. Das widerspricht aber der Hausordnung vieler Kinos, besonders auch der der populären Kette AMC.

Der Tweet wäre von Lesern wahrscheinlich mit Schmunzeln quittiert worden, und die Sache hätte sich erledigt – wenn ihn der helle Social Media-Verantwortliche von AMC, Shane Adams, nicht zu Gesicht bekommen hätte. Hat er aber. Innerhalb von sieben Minuten schoss er mit folgendem Tweet zurück.

Die AMC-Replik ist genial, weil sie auf die Anregung von Orio mit Geist und in perfekter Twitter-Diktion reagiert. “NOT COOL, COOKIE” wurde denn auch innerhalb weniger Stunden über 200 Mal und bislang gar 1.681 Mal retweeted. Der Ausdruck ist mittlerweile zum Bonmot avanciert.

Die Marke Oreo wollte das nicht so ohne weiteres hinnehmen und zwitscherte nun ihrerseits umgehend folgende, konziliant-clevere Antwort:

Diesen Tweet nahm AMC dann zum Anlass für den nächsten Volltreffer. Siehe nachstehend.

Der Social Media-Schlagabtausch der beiden Marken hat viel Aufmerksamkeit erregt und der AMC-Filmkette PR-Pluspunkte gebracht. Zudem hat er auch erhöhtes Bewusstsein und mehr Verständnis für die Kinohausordnung geschaffen. Kurz, er wurde zu einem ebenso beachtlichen, wie unerwarteten Erfolg für AMC.

Shane Adams hat daraufhin die Story in einer Blogpost zusammengefasst und auf eine wichtige Komponente im Social Media Marketing hingewiesen. Der Erfolg dieses Twitter-Duells  sei letztlich nicht nur den witzigen Inhalten zu verdanken, sondern vor allem auch dem Vertrauen, den er und sein Team beim Management genießen würden. Hätte man strikte Anleitungen von PR und Rechtsabteilungen folgen müssen, so wäre ein solch spritziger Spontandialog niemals möglich gewesen.

Natürlich hat Adams Recht. Social Media-Experten brauchen freie Hand. Deshalb ist es so wichtig, erfahrene Profis einzusetzen, die sowohl die Bedürfnisse der Marke als auch die des Medium kennen und erfüllen können. Das Beispiel ist vergnüglich und zeigt zudem einmal mehr, wie hoch Potential  und Anspruch im Social Media Marketing sind.

Aus der Marketing-Metropole New York:
Yvette Schwerdt

Über y.schwerdt

Yvette Schwerdt ist Expertin für multinationales Marketing mit dem Schwerpunkt Deutschland/Amerika. Sie leitet Made-to-Market, New York. Die Agentur unterstützt Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum bei ihrem USA-Marktauftritt und amerikanische Firmen, die in Deutschland Geschäfte machen. In ihrer absatzwirtschaft-Kolumne, dem "Brief aus Amerika", bringt Yvette Schwerdt aktuelle Beispiele aus dem USA-Marketing.
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Kommentare zu “Not Cool, Cookie”: Social Media-Schlagabtausch der Megamarken

  1. Liebe Yvette, vielen Dank für dieses bezaubernde Beispiel gekonnten Instant-Dialogs. Ich finde Ihren Hinweis sehr richtig, dass es gute Leute braucht, die das Vertrauen des Managements genießen, weil sie nämlich wissen, was sie tun.Und es auch durchaus als Erfolg verkaufen können, was nicht bereits in Monate langem Kampaigning hinter verschlossenen Türen ausgeheckt wurde, um dann meist ungesehen zu verpuffen – sondern spontanes, smartes Agendasurfing. Und schwupps hat man ein Trending Thema. Nicht immer, aber vielleicht immre mal. In Deutschland ist beides (das Vertrauen und die guten Leute) noch rar. Aber es könnte werden. :)

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