Das Aufkommen von Big Data wird zwar allerorts bereits heftig diskutiert, doch die Geister scheiden sich paradoxerweise noch an der konkreten Begriffsdefinition. Doug Laney, seines Zeichens Analyst bei der Gartner Group, spricht von “Datenmengen, die größer sind, als man es gewöhnt ist”. Ed Dumbill, beschreibt “Datenmengen, die ob ihrer Größe, Geschwindigkeit und Variabilität, die Bearbeitungsfähigkeiten konventioneller Datenbanksysteme überschreiten“. Wir Marketeers gehen einen Schritt weiter, und bezeichnen mit dem Ausdruck Big Data bereits selbstbewusst unsere Fähigkeit Massen von Daten effizient zu sammeln, zu analysieren und systematisch einzusetzen. Schließlich nutzt Madison Avenue die Macht von Big Data auch schon unverdrossen und mit zunehmendem Erfolg, um Kunden in Echtzeit auf diversen Medien ganz persönlich und zielgerecht anzusprechen. Wie aber wirkt sich das Aufkommen von Big Data auf die Gesellschaft aus. Dieser Frage ist das Pew Institut kürzlich in einer Studie nachgegangen.
Antwort? Unklar. Denn auch bei den 1.021 Befragten scheinen sich die Geister zu scheiden. Während etwas mehr als die Hälfte die Entwicklung von Big Data begrüßt und überzeugt ist, sie würde sich positiv auf nahezu alles Aspekte des gesellschaftlichen Lebens auswirken, bewerten sie immerhin 39% als Negativum.
Befürworter meinen, Big Data schaffe die notwendigen Voraussetzungen, um Wirtschaft, Politik und Privatleben zu qualifizieren. „Es wird zu einer besseren, ausgewogeneren, pro-aktiveren Steuer- und Finanzpolitik führen“, meint beispielweise Hal Varian, der Chef-Ökonom von Google. Viele sind anderer Meinung. Sie sprechen vom “Big Brother”-Effekt, geben zu bedenken, dass es schließlich zumeist Konzerne und Regierungen sind, die Zugang zu großen Datenmengen haben, und warnen vor Fehlinterpretation und Manipulation. „Bessere Informationen sind selten die Lösung zu echten sozialen Problemen. Sie können der Wirtschaft, aber nicht der Öffentlichkeit helfen“, erklärt Barry Parr. Der Chef von MediaSavvy ist denn auch nicht glücklich über den Siegeszug von Big Data und prophezeit einen dramatischen Verlust von Freiheit und Privatsphäre.
Ich frage mich, ob die Diskussion über Vor- und Nachteile von Big Data viel Sinn macht. Mir scheint die Entwicklung hat, wie jede andere auch, positive und negative Aspekte. Entscheidender scheint mir die Tatsache, dass sie gar nicht mehr aufzuhalten ist. Denn ob wir nun von großen, komplexen Datenmengen oder von unserer Fähigkeit, sie zu bewältigen sprechen, eines steht fest: Big Data ist da und geht nicht mehr weg. Jetzt liegt es an uns, als Marketeers aber auch als Gesellschaft, das Beste daraus zu machen.
Aus der Marketing-Metropole New York:
Yvette Schwerdt
Yvette Schwerdt ist Expertin für internationales Marketing mit Schwerpunkt Deutschland-USA. Sie leitet MADE-to-MARKET New York, eine Agentur, die Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum bei ihrem erfolgreichen USA-Marktauftritt und amerikanische Firmen bei ihrem Deutschland-Geschäft unterstützt.
Als Amerika-Korrespondentin der absatzwirtschaft berichtet Yvette für uns über Aktuelles im Deutschland-Amerika Business. Die MBA-Absolventin mit Erfahrung im offline, online und Social Media Marketing ist zudem auch regelmäßige Sprecherin bei internationalen Fachkonferenzen.
Ein interessanter Artikel zu Big Data in Wirtschaft und Gesellschaft. Die Frage ist nicht mehr, ob Big Data, sondern wie mit Big Data umzugehen ist. Hier bietet der Blog ( ) der Schober Information Group einen interessanten Artikel, der die richtige Herangehensweise an großen Datenmengen für Unternehmen beschreibt.