Uniqlo macht Pinterest-User froh

Die meisten Unternehmen halten sich dieser Tage schon für Social Media-Pioniere, wenn sie einen simplen Pinterest-Eintrag vorweisen können. Uniqlo ist aber nicht wie die meisten Unternehmen, und der japanische Bekleidungshersteller gibt sich mit einer schieren Präsenz auf der neuen, virtuellen Pinnboard-Plattform noch lange nicht zufrieden. Jedenfalls hat er kürzlich eine Pinterest-Kampagne ersonnen, die ob ihrer Kreativität, internationalen Beifall ernten konnte. Ich spreche vom  “Uniqlo Dry Mesh Project”.

Ziel der Kampagne ist es, so Uniqlo, Pinterest-User von ihrem Scrolling-Schlummer zu erwecken, und sie dazu zu bringen, Boards in ihrer gesamten Länge zu erkunden. Zu diesem Zweck schuf der Hersteller gemeinsam mit seiner New Yorker- Agentur Firstborn 100 unterschiedliche Pinterest-Accounts, die gleichzeitig Bilder posteten. Der Effekt: Wenn User in einem der fünf Kategorien, wie Damenbekleidung, Herrenbekleidung, Fitness, Sport, und Geek nach unten scrollen, stossen sie nicht auf statische Bilder, sondern auf ein markenspezifisch-aufbereitetes, kunstvoll-animiertes Riesenmosaik. Diese Animation ist für alle Pinterest User sichtbar, ob sie nun aktive Uniqlo Follower sind, oder nicht.

Wie die Pinterest-Animation von Uniqlo entstanden ist, sehen Sie hier.

Klar: Die coole Animation verleiht selbst relativ eintönigen Produkten, wie einfärbigen T-Shirts einen eigenen Zauber. Was an dem Uniqlo Dry Mesh Project besticht, ist aber nicht nur die Animation. Die liesse sich schlieβlich auf anderen Plattformen wesentlich leichter erstellen. Und wer auch auf Pinterest bewegte Bilder zeigen will, kann auch viel einfacher auf Videos zurückgreifen. Nein, es geht nicht um die Animation. Es geht um die Originalität, um den Kernwert, der so gut zur Marke Uniqlo passt –schlieβlich ist der Name Unique Clothing Warehouse nicht willkürlich gewählt – und den sie auch in ihrem Social Media Marketing so kunstvoll zu vermitteln versteht.

Es ist im Übrigen nicht das erste Mal, dass Uniqlo mit Social Media-Originalität besticht. Als vor zwei Jahren die E-Commerce Seite des Herstellers crashte, kreierte er im Handumdrehen Lucky Counter, ein Twitter-Spiel bei dem User Warenpreise mit fleissigen Tweets und Retweets reduzieren konnten.

Was wir also von Uniqlo lernen können? Nein, nicht dass wir jetzt alle animierte Pinterest-Boards kreieren. Die Aktion wird zwar sicher jede Menge Nachahmer finden. Ob sie punkten werden, bleibt allerdings fraglich. Unternehmen sollten vielmehr, genau wie Uniqlo, verstehen, welche Social Media Kampagnen zu ihrer Marke passen und auch bereit sein, riskante, neue Wege einzugehen, um diese Kampagnen zu erschaffen.

Aus der Marketing-Metropole New York:
Yvette Schwerdt

Über y.schwerdt

Yvette Schwerdt ist Expertin für multinationales Marketing mit dem Schwerpunkt Deutschland/Amerika. Sie leitet Made-to-Market, New York. Die Agentur unterstützt Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum bei ihrem USA-Marktauftritt und amerikanische Firmen, die in Deutschland Geschäfte machen. In ihrer absatzwirtschaft-Kolumne, dem "Brief aus Amerika", bringt Yvette Schwerdt aktuelle Beispiele aus dem USA-Marketing.
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