Content Marketing: In Amerika das „New Black“, in Deutschland und international ein „weißer Fleck“?

Am 6. Februar, dem letzten Tag der Spielwarenmesse, fand in Nürnberg auch die Global Toy Conference statt. Referenten waren von nah und fern angereist, um internationale Vertreter der Spielzeugbranche auf das Business von morgen vorzubereiten. Themenkreise umfassten den Verbraucher der Zukunft, die Perspektiven für den Spielzeughandel, das Marketing 3.0 und die Spielzeugsicherheit. Ich war gebeten worden über einen wichtigen Aspekt des Marketings zu sprechen, und meine Wahl fiel rasch auf Content Marketing.  Die Marketingtechnik gilt in den USA als top aktuell – man nennt sie deshalb auch das „New Black“ — und ich hatte weltweit eine ähnliche Entwicklung vorausgesetzt. Es schien, als hätte ich mich gründlich geirrt.

Als ich zu Beginn der Präsentation fragte, wer bereits Erfahrung mit Content Marketing habe, hob kein einziger Teilnehmer die Hand. Nicht einer! Nach anfänglichem Erstaunen, sah ich in dieser Tatsache eine Herausforderung. Ich wollte die Zuhörer von dem Potential dieser Marketingkunst überzeugen, die Unternehmensziele vorantreibt, ohne dabei vordergründig zu werben oder zu verkaufen. Ich wollte ihnen beweisen, dass es sich rechnet, nicht mehr die eigene Marke, sondern fortan den Kunden in den Mittelpunkt des Marketinggeschehens zu rücken. Ich wollte ihnen klarmachen, dass es Vertrauen schafft, regelmäßig relevante, hochwertige Inhalte zu liefern, und dass dieses Vertrauen den Boden nährt für künftige Verkaufserfolge. Schließlich wollte ihnen auch zeigen, wie es ihnen gelingen kann, solche Inhalte zu entwickeln.

Wir sprachen davon, dass Content Marketing zwar nicht neu, aber trotzdem aktueller denn je ist, weil Unternehmen damit heute zu Herausgebern werden und sich als führende Autorität in ihrem Fachbereich etablieren können. Wir überlegten, wie Content Marketing das neue Kaufverhalten unterstützt, dass sich auch im Spielzeugshopping immer stärker ins Internet verlagert. Wir diskutierten die Hürden, die es bei der Disziplin zu überwinden gilt, und wir erörterten wirkungsstarke Lösungsansätze. Dann sprachen wir über besonders gelungene Content Marketing-Beispiele und zeigten, wie geschäftsfördernd informative, aufklärende, überraschende, berührende und unterhaltsame Unternehmensinhalte heute eingesetzt werden.

Ich beendete meinen Vortrag mit drei handfesten Tipps für das erfolgreiche Content Marketing und einem Appell an das Publikum, der Disziplin eine Chance zu geben. Dann folgte die Überraschung. Mehrere Teilnehmer kamen nach dem Vortrag auf mich zu, lächelten freundlich und meinten: „Das, was Sie uns heute ans Herz gelegt haben, das machen wir schon seit Längerem. Wir wussten bloß nicht, dass es Content Marketing heißt.“

So gesehen, habe ich dem aufgeschlossenen Publikum doch noch etwas Neues beibringen können….

Aus der Marketing-Metropole New York:
Yvette Schwerdt

Über y.schwerdt

Yvette Schwerdt ist Expertin für multinationales Marketing mit dem Schwerpunkt Deutschland/Amerika. Sie leitet Made-to-Market, New York. Die Agentur unterstützt Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum bei ihrem USA-Marktauftritt und amerikanische Firmen, die in Deutschland Geschäfte machen. In ihrer absatzwirtschaft-Kolumne, dem "Brief aus Amerika", bringt Yvette Schwerdt aktuelle Beispiele aus dem USA-Marketing.
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Kommentare zu Content Marketing: In Amerika das „New Black“, in Deutschland und international ein „weißer Fleck“?

  1. Günter Stöcker

    Sehr interessant! Als ich mich vor einiger Zeit in das Thema Content Marketing eingelesen habe (aufgrund meiner BA Thesis und der damit verbundenen Recherche zu Content Strategy) ist mir aufgefallen, dass dieser Bereich in Deutschland noch stiefmütterlich behandelt wird. Sobald der Online Content aber (plattformübergreifend) mit Blick auf Kunden, Kundenbindung und Reputation ausgerichtet wird und gezielt qualativ hochwertige Inhalte über langen und kontinuierlichen Zeitraum angeboten werden, kann man bereits von Content Strategy sprechen (meiner Meinung nach).

    Diese findet man derzeit allerdings noch selten. Leider lassen sich für mich auch mehr Negativ- als Positivbeispiele finden. Online-Marketing Inhalte stehen oft für sich alleine, werden zu selten gepflegt, sind qualitativ minderwertig, nicht aufeinander abgestimmt. Nicht alle bereits eingeführten Plattformen werden gleichmäßig bearbeitet oder weisen unterschiedliche Inhalte auf.

    Auch hier glaube ich, dass es eine nachhaltige Wirkung auf internetafine (potentielle oder aktuelle) Kunden haben wird, wenn diese – wenn auch nur im Hinterkopf wahrnehmen – das dauerhaft die Qualität der Inhalte nicht stimmt / abgestimmt ist.

    Da es in diesem jungen Forschungsfeld schwierig ist, von Negativbeispielen zu sprechen, würde mich an dieser Stelle doch sehr interessieren, welche Best-Practice Ansätze Sie identifizieren konnten.

    Beste Grüße,
    Günter Stöcker

    • y.schwerdt

      Hallo Herr Stöcker,
      danke für Ihren Kommentar. Ganz genau! Content Marketing ist Plattform-agnostisch. Deshalb eignet sich die Disziplin auch so gut für ein Plattform-übergreifendes Programm, mit dem man den heute so schwer-fassbaren Kunden dort erreichen kann, wo er sich gerade befindet und gezielt mit jenen Inhalten zu unterstützen vermag, die er gerade benötigt. Das Schöne daran: Man kann Kunden während des gesamten Shoppingprozesses –sprich vor, während und nach dem Einkauf — sinnvoll begleiten.
      Content Marketing ist vielversprechend und bringt Image- und Umsatzzuwächse. Das gilt mittlerweile als erwiesen. Sie haben aber Recht: Die Disziplin hält für uns Marketer auch eine Reihe von Stolpersteinen parat. Ich bin im genannten Vortrag Anfang dieser Woche auf der Spielwarenmesse auf diese Stolpersteine eingegangen und habe Lösungen aufgezeigt. Siehaben mich jetzt auf die Idee gebracht, diese Punkte auch im Blog anzusprechen. Ich werde in meinen künftigen Posts darüber berichten. Hier nur soviel: Es gilt im Content Marketing, genau wie bei jeder anderen Marketingtechnik, einen systematischen Prozess zu verfolgen. Im Content Marketing beinhaltet dieser Prozess einige Phasen, die Marketeers helfen, diese Stolpersteine zu überwinden. Allen voran zählt dazu die Einführung eines neuen Mindsets, einer neuen Denkweise. Mehr dazu in meinen nächsten Einträgen.
      Lieben Gruß

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