In Amerika gilt es längst als ausgemacht: Wer seine Produkte bei Wal-Mart unterbringen kann, der hat es geschafft. Schließlich bedient der Einzelhandelskoloss ein gigantisches Publikum und stellt klingelnde Kassen in Aussicht. Hersteller diverser Verbrauchsgüter buhlen denn auch um sene Gunst. Er hält sich allerdings in der Regel bedeckt, zitiert die Glückspilze, die sein Interesse wecken, in sein Hauptquartier in Arkansas – genauer genommen in seine notorische „Vendor Row“ – und gibt ihnen gerade mal eine Stunde Zeit um seine Einkäufer zu überzeugen. Viele Anbieter gehen leer aus. Andere lassen sich von diesem stringenten Prozess bereits vorab entmutigen. Jetzt können alle wieder Hoffnung schöpfen. Der Einzelhandelsriese fährt dieser Tage nämlich einen Online-Wettbewerb, bei dem nicht er, sondern der Verbraucher entscheidet, welche drei neuen Hersteller künftig in das Wal-Mart Ecommerce-Sortiment aufgenommen werden. Der Sieger wird überdies auch in den Geschäften selbst vertreten sein.
Der neue Wal-Mart Wettbewerb heißt “Get on the shelf” und hat bereits jede Menge Aufmerksamkeit bei Unternehmen aber auch bei edien generiert. Führende Zeitschriften und Blogs vergleichen ihn mit der Reality Show „American Idol“. Denn auch hier können Kandidaten aus den diversesten Bereichen antreten und darauf hoffen, von Amerika entdeckt zu werden. Bedingung: Sie müssen ein überzeugendes Video erstellen und es auf getontheshelf.com einreichen. Den Rest übernehmen die amerikanischen Wähler.
Der Wettbewerb hat erst gestern begonnen und läuft bis 22. Februar. Es gibt allerdings schon diverse Einträge, etwa Bubbie Jeanne’s Mit und Ohne-Fleischsauce-Gegenüberstellung und den ePillow-Clip, der die Vorzüge eines iPad-Kissens veranschaulicht. Gewählt wird dann in zwei Runden. Die erste soll im März stattfinden und die Top-Ten-Publikumslieblinge ermitteln; de zweite wird Mitte April folgen. Die Gewinner sollen dann sehr zügig ins Sortiment aufgenommen werden.
Wer aber ist der größte Gewinner dieser Aktion? Wal-Mart, mit Sicherheit. Weil der Konzern sich damit als fortschrittlich und kundenorientiert zeigt und Imagezuwächse verbuchen kann. Sicher, auch die drei Unternehmen dürfen sich über eine große Chance freuen. Sie müssen sich wahrscheinlich aber auch fragen, ob sie, als junge Unternehmen, dem Druck einer solchen Mammut-Kette, standhalten werden können.
Aus der Marketing-Metropole New York:
Yvette Schwerdt
Yvette Schwerdt ist Expertin für internationales Marketing mit Schwerpunkt Deutschland-USA. Sie leitet MADE-to-MARKET New York, eine Agentur, die Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum bei ihrem erfolgreichen USA-Marktauftritt und amerikanische Firmen bei ihrem Deutschland-Geschäft unterstützt.
Als Amerika-Korrespondentin der absatzwirtschaft berichtet Yvette für uns über Aktuelles im Deutschland-Amerika Business. Die MBA-Absolventin mit Erfahrung im offline, online und Social Media Marketing ist zudem auch regelmäßige Sprecherin bei internationalen Fachkonferenzen.