Social Media Marketing: Vom Schlagwort zum Schlüsselthema in US-Unternehmen

Die Pivot Conference und Brian Solis haben kürzlich neue statistische Erhebungen über den Durchsatz von Social Media Marketing in US-Unternehmen durchgeführt. Demnach fahren derzeit bereits rund zwei Drittel der Befragten eigene Social Media-Kampagnen. Weitere 18% wollen innerhalb der nächsten 12 Monate damit starten. Durchwegs gute News also für die Web 2.0-Plattformen, die sich nun endlich über beweisbare Monetarisierungspotentiale freuen dürfen? Ja und nein. Bei näherer Betrachtung fällt nämlich auf, dass Unternehmen zwar zunehmend auf Social Media-Marketing setzen, aber noch nicht ganz happy mit den Ergebnissen sind.

Knapp die Hälfte der Unternehmen geben sich lediglich „einigermaßen zufrieden“. Hauptkritik von über 40% der Befragten: Erfolg und ROI sind nicht ausreichend messbar. Was zudem noch beanstandet wird? Die mangelnde Verfügbarkeit sinnvoller Web 2.0-Werbemaßnahmen. In diesem Hinblick schneidet Facebook am besten ab. YouTube, Twitter, LinkedIn and Foursquare bekommen weniger gute Noten.

Quelle: Brian Solis

Überhaupt scheinen sich Marketeers wenig Illusionen über die Fähigkeiten und Vorteile der Tools zu machen. Nur die Wenigsten erwarten sich vom Web 2.0 signifikante Zuwächse in den Bereichen Sales und Leadgenerierung. Das Gros setzt vielmehr auf verstärktes Kundenengagement und publikumswirksamere Angebotseinführungen.

Bei den einzelnen Plattformen bleibt Facebook King (wobei anzumerken ist, dass Google+ bei dieser Erhebung natürlich noch nicht mit im Rennen war). Twitter, YouTube und LinkedIn folgen auf den Plätzen. Foursquare scheint noch weit abgeschlagen, soll aber in den nächsten 12 Monaten aufholen. Auch das noch wenig bekannte Spielnetzwerk Zynga zeigt vielversprechend Ansätze.

Quelle: Brian Solis

Was ich aus all diesen Daten entnehme? Dass sich Social Media Marketing eindrucksvoll durchsetzt. Klar. Aber auch, dass nicht nur bei den Unternehmen, sondern auch bei den Plattformen in Sachen Social Media Marketing noch Lern- und Qualifizierungsbedarf besteht.

Aus der Marketing-Metropole New York:
Yvette Schwerdt

Über y.schwerdt

Yvette Schwerdt ist Expertin für multinationales Marketing mit dem Schwerpunkt Deutschland/Amerika. Sie leitet Made-to-Market, New York. Die Agentur unterstützt Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum bei ihrem USA-Marktauftritt und amerikanische Firmen, die in Deutschland Geschäfte machen. In ihrer absatzwirtschaft-Kolumne, dem "Brief aus Amerika", bringt Yvette Schwerdt aktuelle Beispiele aus dem USA-Marketing.
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentare zu Social Media Marketing: Vom Schlagwort zum Schlüsselthema in US-Unternehmen

  1. Interessanter Post. Danke.
    Mit den Auswirkungen von Facebook, Twitter & Co auf das menschliche Gehirn und unser Sozialverhalten hat sich unlängst die britische Hirnforscherin Susan Greefield beschäftigt. Den Link zum Pressetext gibt’s hier: http://www.reklamekasper.de/internet/asoziale-netzwerke/

    Sherry Turkle vom legendären MIT hat auf einer TED-Konferenz auch über dieses Thema gesprochen. Ein klasse Vortrag:
    http://www.reklamekasper.de/technologie/in-der-tretmuhle-von-e-mail-sms-etc/

  2. Liebe Yvette Schwerdt,
    signifikantes Sales? Leadgenerierung? Da bin ich auch skeptisch.

    im positiven Fall kann Social Media für ein Unternehmen ein freundliches, dialogförderndes Instrument zur Markenbildung werden. Obwohl ich mich immer wieder frage, ob der Verbraucher da draußen wirklich so wild darauf ist, mit Versicherungspolicen oder Kinderwindeln zu sprechen. :-)

    • y.schwerdt

      Vielen Dank für Ihr Feedback, Frau Gräbel. Ich verstehe Ihre Bedenken.
      Trotzdem: Verbraucher, die sich für Versicherungspolicen interessieren oder laufend Windeln kaufen müssen, werden sehr wohl von den diversen Anbietern hören wollen, besonders wenn diese ihnen wertvolle Inhalte bieten. Vor allem aber werden sie sich mit anderen Verbrauchern austauschen wollen. Die Gefahr, die ich bei Social Media Marketing sehe: dass Unternehmen die Disziplin so betreiben wie klassisches Marketing und auf ihre Kunden und Interessenten unentwegt “einreden”. Social Media erfordert eine neue, viel interaktivere und viel offenere Marketing-Kunst.

  3. Ja genau, Social Media ist etwas Sensibleres als die Old School Gießkanne.

    Bedenken habe ich in dem Sinne eigentlich nicht, bin vom Typ her auch kein Bedenkenträger^^. Ich stellte einfach nur überspitzt heraus, dass Verbraucher in Portalen lieber “über” eine Marke reden als “mit” ihr. Da ist mancher Social-Media-Berater etwas im Irrtum, der pauschal den “Dialog” predigt.

    Die Punkte der Hauptkritik der Befragten: “Erfolg und ROI sind nicht ausreichend messbar.” und: “Die mangelnde Verfügbarkeit sinnvoller Web 2.0-Werbemaßnahmen.” deuten in die Richtung, dass man gewisse Standardisierungen oder Tools möchte. Diese könnten aber wieder das Gegenteil von offener Marketingkunst bedeuten.
    :-)

    Eine offenere Marketingkunst, ja die wäre richtig. Wäre zu definieren, was man genau darunter versteht, wie die geht. Oder wie die Unternehmen, die Marketeers sie denn angehen sollen. Das CI, das Branding kann dazu Antworten geben, wie es jeweils für die Marke aussehen soll. Die Antwort liegt für mich immer im Unternehmen selbst. Es wäre möglicherweise falsch zu warten: auf den vorgefertigten Maßnahmenkatalog mit eingebautem ROI. Es kann gut sein, dass es den nie geben wird.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>