Social Media und B2B: Eine Hassliebe

Social Media Marketing hat sich zum „Hot Topic“ des Jahres entwickelt; kaum ein Unternehmen traut sich heute mehr, darauf verzichten. Laut einer kürzlich durchgeführten Umfrage, sollen mittlerweile 82% der B2C- und gar 86% der B2B-Unternehmen Social Media nutzen. Allerdings herrscht im B2B-Bereich immer noch gewaltige Skepsis im Bezug auf die neuen Plattformen. Rund die Hälfte der Befragten halten sie im Grunde für „irrelevant“ und 36% haben “wenig Interesse“ an ihnen. Kurz: die B2B-Welt will sich dem Massentrend zwar nicht verschließen,  geht allerdings lustlos an die Sache heran. Warum?

Viele B2B-Marketeers fürchten wohl, dass sich Massenforen, wie Facebook und Twitter, für ihre Marke einfach nicht eignen, zu unseriös und zu oberflächlich wirken. Zudem schreckt sie der drohende Mehraufwand ab. Schließlich verfügen, laut Umfrage, nur 40% der B2B-Unternehmen über dediziertes Social Media-Personal, und nur 10% betrauen externe Agenturen mit dem Job. Verständlich also, dass den Führungskräften im B2B-Bereich vor der Zusatzleistung graut, die gut geführte Social Media Initiativen nun einmal erfordern. Schade ist ihre ablehnende Einstellung aber allemal, den auch B2B-Marketeers können und sollten von den neuen Plattformen profitieren. Wie? Hier ein paar Tipps:

Starten Sie sachte: B2B-Unternehmen müssen ja nicht gleich komplett auf Social Media umsteigen. Benutzen Sie weiterhin ihre traditionellen, bewährten Kommunikationstools, aber überlegen Sie eine sinnvolle Web 2.0-Ergänzung, etwa einen YouTube-Channel für komplexe Produkt- oder Verfahrensdemos, einen fachlich-hochwertigen Blog, in dem Sie ihr Know-How und ihre Kundennähe demonstrieren oder ein gut geführtes Twitter-Account für aktuelle Unternehmens- und Produktnews und Beiträge zu professionellen Diskussionen. Wenn Sie klug wählen, anstatt breit zu streuen, minimieren Sie den Social Media-Aufwand und maximieren gleichzeitig die Wirkung.

Suchen Sie den Dialog: Setzten Sie also zunächst auf eine Hauptplattform, die zu Ihrer Marke passt – viele B2B-Unternehmen werden LinkedIn wählen – legen Sie ein Firmenprofil an, starten Sie eine Gruppe und laden Sie Ihre Kunden ein, mitzumachen. Beginnen Sie fachlich relevante Diskussionen. Moderieren Sie, aber lassen Sie vor allem Ihre Kunden und Interessenten zu Wort kommen. Hören Sie zu, und lassen Sie den Input in Ihre Produkt- oder Serviceweiterentwicklung einfließen.

Setzen Sie auf den Branding-Effekt: Wissen Sie in welchem Bereich Social Media die größte Wirkung zeitigt? Im Branding! Wie MarketingSherpa zeigt, steigern sie das öffentliche Markenbewusstsein, fördern das Unternehmensimage, unterstützen das Suchmaschinenmarketing und steigern den Web-Traffic.

Sicher, Social Media-Erfolge lassen sich noch nicht schlüssig quantifizieren, und auch das stört den Analytiker im B2B-Bereich.  Mir scheint aber, dass Unternehmen, die Social Media jetzt vernachlässigen, bald anachronistisch anmuten werden, und dass sich Nachzügler wertvolle, immer häufiger genutzte Kontaktpunkte zu ihren Kunden und deren Zielgruppen vergeben. Oder wie sehen Sie das?

Aus der Marketing-Metropole New York:
Yvette Schwerdt

Über y.schwerdt

Yvette Schwerdt ist Expertin für multinationales Marketing mit dem Schwerpunkt Deutschland/Amerika. Sie leitet Made-to-Market, New York. Die Agentur unterstützt Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum bei ihrem USA-Marktauftritt und amerikanische Firmen, die in Deutschland Geschäfte machen. In ihrer absatzwirtschaft-Kolumne, dem "Brief aus Amerika", bringt Yvette Schwerdt aktuelle Beispiele aus dem USA-Marketing.
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Kommentare zu Social Media und B2B: Eine Hassliebe

  1. Hallo Frau Schwerdt,
    ein interessanter Beitrag, gerade für die B2B-Branche.
    Unser Kunde, die HAAS Maschinenbau GmbH, ist Weltmarktführer im Bereich Schleifmaschinen zur Herstellung von Knieimplantaten.
    Das feine Unternehmen sitzt in Trossingen im Schwarzwald, eine hicktown im besten Sinne, die eigentlich nur Mundharmonika (Hohner!) spielende Musiker wie der gute Bob Dylan kennen.
    Diese Unternehmen also, rund 100 Angestellte, betreibt seit gut fast zwei Jahren auf unser Betreiben hin weltweit den ersten Blog in der Branche: http://www.schleifblog de
    Nun hat der Schleifblog natürlich nicht tausende von RSS-Abonnenten, dafür aber eine kleine, ständig wachsende Gemeinde von Leserinnen und Lesern, die auch kommentieren. Allerdings nicht im Blog selbst, sondern noch ganz klassisch, in dem Sie z. B. die Inhaber anrufen (auch aus den USA!) oder eine E-Mail schreiben. Einer der Geschäftsführer erzählte mir vor zwei Wochen, dass ihm auf einer Geschäftsreise in Japan ein Kunde ganz amüsiert eine ausgedruckten (echt wahr!) Blogbeitrag hingelegt hat, mit der Bitte um Aufklärung, was es denn mit der Schwäbischen Hausfrau auf sich hat. Es ging um diesen Beitrag: http://schleifblog.electricfeel.de/allgemein/wir-danken-ihnen-und-der-schwabischen-hausfrau/
    HAAS gelingt es mit Hilfe des Schleifblogs, die wirklich frische und besondere Unternehmenskultur sympathisch zu vermitteln und gleichzeitig technische Inhalte zu kommunizieren. Also, wie Sie schreiben: Sachte, aber überlegt starten, das richtige Medium auswählen und dann Qualität in Inhalt, Wort und Bild produzieren.

    Schöne Grüße aus Tübingen

    Norbert Kraas

    • y.schwerdt

      Hallo Herr Kraas,

      danke für den interessanten Kommentar und die amüsante Blog-Anekdote.
      Interessant finde ich auch, dass der Schleifblog gleich zweisprachig geschrieben wird, und dass viele Leser auf traditionellem Weg, sprich per Telefon oder Email, dazu Stellung nehmen.

      Hoffentlich findet diese Bloginitiative bald Nachahmer.

      Lieben Gruß aus NYC
      Yvette Schwerdt

  2. Martin Sinning

    Kenne die erwähnte Hassliebe aus dem Agenturalltag und kann den Beitrag daher sehr gut nachvollziehen. Grund für diese momentane Haltung bei vielen Unternehmen ist sicherlich auch der Hype, der um einige Social Media Plattformen wie Facebook oder Twitter gemacht wird. Dabei wird oft versäumt, diese bezüglich Relevanz und Unternehmenszielen richtig zu verorten.
    In kleinen Schritten zu starten, ist sicherlich richtig, um in einem überschaubaren Rahmen erste Erfahrungen zu sammeln. Trotzdem sollten auch diese ersten kleinen Schritte aus einer übergreifenden Social Media Strategie heraus entstehen und umgesetzt werden. Nur so kann auch sichergestellt werden, dass die ersten Social Media Massnahmen auf Marke und Marketingziele einzahlen und im positiven Fall ausgebaut und auf weitere Massnahmen ausgeweitet werden können. Den Rahmen für diese Weiterentwicklung liefert dann die Strategie.

  3. Pingback: Social Media und B2B: Eine Hassliebe | Schwerdt-Blog

  4. Pingback: Totterturm » Blog Archive » Vertraut und Verkauft – Warum eigentlich Social Media?

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